Geschäftsbericht 2010 Onlineversion

Kühne-Stiftung: Der Aus- und Weiterbildung persönlich verpflichtet

Die vor 35 Jahren in der Schweiz gegründete Kühne-Stiftung hat sich im deutschsprachigen Raum mit ihren Förderinitiativen im Bereich Aus- und Weiterbildung und Forschung in der Logistik und Verkehrswirtschaft einen Namen gemacht. Zugleich unterstützt sie Vorhaben im kulturellen und medizinischen Bereich. Im Jahr 2010 war die Gründung und Eröffnung der Kühne Logistics University (KLU) in der Hamburger HafenCity der Höhepunkt der Stiftungsaktivitäten. Für den Träger der gemeinnützigen Stiftung, Prof. Dr. h. c. Klaus-Michael Kühne, stellt sein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Engagement einen wesentlichen Teil seiner sozialen Verantwortung als Unternehmer dar.


Fördermassnahmen im Bereich Logistik

Neben der Gründung der Kühne Logistics University wurden folgende Logistik-Institute/-Lehrstühle und Projekte im Jahr 2010 unterstützt:

  • Lehrstuhl für Logistikmanagement an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich
  • Lehrstuhl und Kühne-Zentrum für Logistikmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management, Vallendar
  • Lehrstuhl und Zentrum für internationale Logistiknetzwerke an der Technischen Universität (TU) Berlin
  • Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL)/Deutsche Aussenhandels- und Verkehrsakademie (DAV), Bremen
  • Lehrstuhl für Logistikmanagement an der Tongji Universität, Schanghai
  • Forschungsprojekt „Humanitäre Logistik“ an der Technischen Universität Berlin und Errichtung eines Zentrums für „Humanitäre Logistik“ am Stiftungssitz

Kühne Logistics University (KLU), Hamburg

Nach der Bekanntgabe der Gründung der Kühne Logistics University – Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) im März 2010 fand die offizielle Eröffnung bei einem Festakt im Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg im September 2010 statt. Zuvor wurde sie als wissenschaftliche Hochschule staatlich anerkannt. Sie folgt in ihrem Aufbau und Anspruch an Qualität in Forschung und Lehre internationalen Standards. Für den angestrebten Praxisbezug werden mit deutschen und internationalen Unternehmen enge Kooperationen gepflegt.

Die KLU wird aus zwei Fakultäten, dem „Department of Logistics“ und dem „Department of Entrepreneurship“, bestehen. Sie startete ihren Lehrbetrieb mit dem Masterstudiengang „MSc Global Logistics“, für den sich 26 nach streng wissenschaftlichen Kriterien ausgewählte Studierende aus aller Welt eingeschrieben haben. Bis zum Jahr 2015 sind ein kontinuierlicher Ausbau des Studienangebots sowie in Kooperation mit deutschen und internationalen Hochschulen der Aufbau eines Promotionsprogramms geplant. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen für deutsche und internationale Studierende wird die KLU im Rahmen der Führungskräfteausbildung auch einen Master-Studiengang sowie ein Executive-MBA-Programm anbieten. Darüber hinaus wird es berufsbegleitende Weiterbildungsveranstaltungen verschiedener Art geben.

Lehrstuhl für Logistikmanagement an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich

Dem Lehrstuhl für Logistikmanagement an der ETH Zürich gelang es wiederum, anspruchsvolle Studien und Weiterbildungsprogramme mit exzellenter Forschung zu verknüpfen. Zahlreiche Veröffentlichungen in internationalen Spitzenzeitschriften unterstreichen dies. Der Lehrstuhlinhaber legte als Mitherausgeber eines Sonderheftes zu „Entrepreneurship and Operations Management“ den Grundstein für die Forschung zum unternehmerischen Handeln in Logistik und Supply Chain Management.

Seit dem Jahr 2010 wird mit der Vorlesung „Market-Driven Logistics Service Organizations“ ein Kurs angeboten, der zum Ziel hat, Studierende auf eine herausfordernde und spannende Karriere bei Logistikunternehmen vorzubereiten. Bereits der achte Kurs des speziell für erfahrene und seit längerer Zeit im Berufsleben stehende Manager konzipierten und in Europa einzigartigen Executive MBA in Supply Chain Management konnte mit Teilnehmern aus 13 Nationen begonnen werden. Einen Meilenstein stellte die international angesehene Akkreditierung des Executive MBA-Programms durch die European Foundation for Management Development (EFMD) dar.

Lehrstuhl und Kühne-Zentrum für Logistikmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management, Vallendar, Deutschland

2010 erforschte der Lehrstuhl in Kooperation mit der renommierten Business School INSEAD, Fontainebleau, ein Analysewerkzeug, das es kommerziellen Flottenbetreibern ermöglicht, eine optimale Strategie für den Austausch von konventionellen Fahrzeugen oder Lkw durch Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Dies ist gerade im Hinblick auf die Unsicherheit bei Preisen für Kraftstoff und Batterien bedeutend. Ausserdem wurde in Zusammenarbeit mit einem führenden deutschen Hersteller von Geldautomaten eine Strategie konzipiert, um die Bargeld-Supply Chain mithilfe paralleler Touren- und Bestandsoptimierung effizienter zu gestalten. Hierzu wurde ein Simulationsmodell entwickelt und eine Prototypenanwendung vorbereitet. Im März 2010 fand zum siebten Mal der alljährliche WHU-Campus for Supply Chain Management statt, der ebenfalls von der Kühne-Stiftung unterstützt wird. Im Rahmen von Vorträgen und Workshops von Unternehmensvertretern und Wissenschaftlern wurden neue Entwicklungen und Herausforderungen im Supply Chain Management aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Lehrstuhl und Zentrum für internationale Logistiknetzwerke an der Technischen Universität (TU) Berlin

Die Forschungsschwerpunkte des seit Anfang 2009 geförderten Lehrstuhls für internationale Logistiknetzwerke liegen in der Analyse von vertikalen und horizontalen Supply Chain-Beziehungen, dem Management von Logistikunternehmen und der Sicherheit in globalen Logistiknetzen und Wertschöpfungsketten. Neben den Aspekten Nachhaltigkeit, Risk Management und Eintritt in den chinesischen Markt wurde im Jahr 2010 vor allem der Bereich „Kooperationen zwischen Logistikdienstleistungsunternehmen“ vertieft. Strategischen Allianzen, aber auch der losen, wechselnden Zusammenarbeit zwischen Logistikunternehmen wird zukünftig ein noch grösserer Stellenwert zukommen. Zu dem Thema, das Kooperationen in der Dienstleistungserstellung sowie in der Beschaffung und Vermarktung umfasst, wurden zwei Studien abgeschlossen, zudem zahlreiche Vorträge und Praxisworkshops durchgeführt. International wird in Forschung und Lehre mit der Ohio State University, Columbus (USA), und dem ebenfalls von der Kühne-Stiftung geförderten Logistiklehrstuhl an der Tongji Universität, Schanghai, zusammengearbeitet.

Förderung der Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL) sowie der Deutschen Aussenhandels- und Verkehrsakademie, Bremen

Dank der Förderung der Kühne-Stiftung konnte an der neu gegründeten Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL) der „Kühne-Stiftungslehrstuhl für Systeme und Prozesse der Logistik“ eingerichtet werden. Der Lehrstuhlinhaber ist ausserdem als Studiengangsleiter für den Aufbau des Studiengangs „Logistik“ verantwortlich. Die private Fachhochschule befindet sich auf dem BVL Campus in Bremen, in enger Nachbarschaft zu den übrigen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen der Bundesvereinigung Logistik. Anfang August wurde der Lehrbetrieb aufgenommen. Die Studierenden erwerben ihre Kompetenzen im dualen Konzept.

Lehrstuhl für Logistikmanagement an der Tongji Universität, Schanghai

Gemeinsam mit der TU Berlin und der School of Economics and Management realisierte das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg an der Tongji Universität im Rahmen des Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens einen Dual Degree Masterabschluss im Bereich Logistik. Dieser ist mit einem jeweils einjährigen Studienaufenthalt an der Partneruniversität verbunden. Die beiden von der Kühne-Stiftung geförderten Lehrstühle betreuen gemeinsam die chinesischen und deutschen Studierenden.

Humanitäre Logistik

Mit H.E.L.P., einem Zentrum für Humanitäre Logistik am Stiftungssitz, baut die Kühne-Stiftung ihr Engagement im Förderbereich Logistik aus. Das im Oktober 2010 ins Leben gerufene Projekt widmet sich der Aus- und Weiterbildung sowie der Forschung; ausserdem wird es beratend tätig sein und eine Wissensplattform für die humanitäre Logistik bereitstellen. Im November förderte die Stiftung eine Konferenz der „Humanitarian Logistics Association (HLA)“ in Nairobi, präsentierte dort das H.E.L.P.-Zentrum und tauschte Erfahrungen mit Hilfsorganisationen aus. Das erste Beratungsprojekt für die Internationale Organisation für Migration (IOM) wurde im Dezember begonnen. Zielsetzung ist die Verbesserung von Effektivität und Effizienz im Bereich Supply Chain Management. Bereits seit 2009 unterstützt die Kühne-Stiftung ein Forschungsprojekt zur „Humanitären Logistik“ in Zusammenarbeit mit der TU Berlin.

NetloP-Seminar – Netzwerkmanagement für logistische Prozesse

Diese Seminarreihe feierte im Berichtsjahr ihr zehnjähriges Bestehen und wurde von etwa 300 Teilnehmern aus den Bereichen Handel, Industrie und Dienstleistung besucht. Das NetloP-Seminar hat sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil der deutschsprachigen Weiterbildungsprogramme in der Logistik entwickelt. Durch die Vermittlung eines breiten Spektrums von Beiträgen aus der Logistikwissenschaft sowie Exkursionen zu verschiedenen Unternehmen und Einrichtungen erhält die Veranstaltung eine besondere Dynamik und Attraktivität. Derzeit wird das Seminar von folgenden Lehranstalten getragen: ETH Zürich, Wirtschaftsuniversität Wien, Kühne Logistics University, Hamburg, Technische Universität Berlin, Kühne-Zentrum für Logistikmanagement an der WHU und der Deutschen Aussenhandels- und Verkehrsakademie, Bremen.

Logistiktag der Kühne-Stiftung

Der jährlich stattfindende Logistiktag der Kühne-Stiftung fand im Berichtsjahr vor der feierlichen Eröffnung der Kühne Logistics University in Hamburg statt. Unter dem Motto „Globale Logistik – globale Herausforderungen“ trafen sich im September 2010 nahezu 300 führende Logistikwissenschaftler und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft.

 

Die Kühne-Stiftung hat im vergangenen Jahr zudem folgende Projekte im medizinischen und kulturellen Bereich gefördert:

CK-CARE – Allergieforschung

Das Christine Kühne-Center for Allergy Research and Education (CK-CARE), Davos, wurde im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Durch Forschung sowie Aus- und Weiterbildung sollen Defizite im Bereich von Erkennung, Behandlung und Rehabilitation allergiekranker Menschen behoben werden. Mittels Forschung und klinischer Behandlung werden neue Kenntnisse zur genetischen Grundlage und zum Einfluss von Umweltfaktoren auf die Allergieentwicklung gewonnen, zu der u. a. der Klimawandel beizutragen scheint. Ferner wurden Verbesserungen der Diagnostik über bildgebende Verfahren sowie neue Moleküle für innovative, individuelle Therapiekonzepte entwickelt. Im Aufbau befinden sich ausserdem Informationssysteme, die dem Allergiker ein Instrument an die Hand geben, um mit „seinen“ Allergien besser umgehen zu können. Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse von CK-CARE werden Vorsorgestrategien entwickelt mit dem Ziel, Hochrisiko-Kindern Umweltbedingungen zu schaffen, welche Allergien gar nicht erst entstehen lassen. Im Berichtsjahr konnten über die Ergebnisse aus CK-CARE mehrere Artikel publiziert werden, die internationale Beachtung fanden.

Literaturfestival in Hamburg

Zum zweiten Mal fand im September 2010 das Harbour Front Literaturfestival in Hamburg statt, dessen Hauptförderer wiederum die Klaus-Michael Kühne Stiftung, Hamburg war. Zehn Tage lang präsentierten 114 Autoren an 20 verschiedenen Lokationen den insgesamt 20.000 Zuhörern ihre Bücher und hielten Lesungen. Erstmals wurde der mit 5.000 Euro dotierte Klaus-Michael Kühne Preis ausgelobt, der an eine Nachwuchsschriftstellerin für ihren Debütroman ging.

Lucerne Festival

Ergänzend zu der bereits seit drei Jahren bestehenden Nachwuchs-Förderung des Lucerne Festivals ermöglichte die Kühne- Stiftung im Berichtsjahr den Auftritt eines venezolanischen Bläser-Ensembles, das als Teil des „Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar“ auftrat. Dieses einzigartige, staatlich geförderte Musikprojekt setzt sich aus über 200 Kinder- und Jugendorchestern und rund 100 über das ganze Land verteilten Musikzentren zusammen.

Zu den weiteren Kulturförderungen der Kühne-Stiftung zählen der Musiksommer am Zürichsee, die Festspiele Mecklenburg- Vorpommern, die Hamburger Staatsoper, die St. Katharinenkirche in Hamburg, das Literaturhaus Hamburg sowie Projekte im Kanton Schwyz.

Alleiniger Träger der Kühne-Stiftung ist Prof. Dr. h. c. Klaus-Michael Kühne.

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